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Home Parkour 2012 /by Ditta Rudle, TANZ.AT

Bodyparkour nennt der Tänzer und Choreograf Àkos Hargitay das Zusammenspiel der Straßenkunst Parkour mit dem zeitgenössischen Tanz. In seinem neuen Stück „Home Parkour“ zeigt die Company Two in One kraftvolle Akrobatik und präzisen Tanz als Kampf gegen Beschränkungen, Enge und alltägliche Hürden. Seo Youn Kim und Sung-hyun Kim turnen, tanzen, klettern, kugeln, fliegen und fallen mit vollem Körpereinsatz.

Das weiße Haus steht auf Rädern und besteht nur aus einem Zimmer. Mehr als ein Tisch und ein Sessel passen nicht hinein. Und doch sollen sich drei Menschen darin zurechtfinden, schlafen, arbeiten, miteinander kommunizieren. Sie kämpfen mit den Objekten und miteinander, fliegen durch das Fenster, verrammeln es mit dem Tisch, gehen die Wände hoch, purzeln durch das offene Dach, sausen durch die Tür wieder herein, gebremst nur vom im Weg stehenden Tisch. Àkos Hargitay gibt als Clown im glitzernden Sakko und widerspenstigem Bowler den Regisseur, bewegt das kleine weiße Haus um die eigene Achse, sodass sie Zuschauer immer neue Aspekte zu sehen bekommen. Zur unaufdringlichen Musik von Gammon (der auch für die Bühne verantwortlich zeichnet) entwickelt sich ein konzentriertes Spiel zwischen dynamischer Zirkusakrobatik, Street Dance, Hip Hop, Parkour und Tanz. Mit voller Hingabe und äußerster Präzision gehen  Seo Youn Kim und Sung-hyun Kim an die Grenzen ihrer körperlichen Möglichkeiten, bis ihnen Choreograf Hargitay kleine Pausen gönnt und damit dem Publikum poetische Momente in surrealistischen Bildern. Im blauen Licht dreht sich das Haus langsam, die Tänzerin im roten T-Shirt schaut versonnen aus dem Fenster, die Musik schmeichelt –man darf kurz träumen. Von Pierrot lunaire, dem Clown des Mondes, von den Hüten des Herrn Magritte und den in verschobener Perspektive gemalten Zimmern des Edward Hopper. Dann ist der Zauber wieder vorbei, die Tänzerin wird zum Objekt, vom Tänzer gehoben und abgestellt, sie wehrt sich und drängt ihn aus dem engen Raum, wie aus Bosheit verstellt der Clown die störenden Möbel, sodass sich das Duo blitzartig neu orientieren muss.

Auch wenn Ákos Hargitay ein striktes Konzept hat, das eine spannende Dramaturgie und die Ahnung einer thematischen Basis sichtbar werden lässt, stehen die Körper von Tänzerin und Tänzer, die Möglichkeiten und Grenzen der Bewegung im Mittelpunkt. Wie sehr die Schranken des üblichen Bewegungsvokabulars ausgereizt und überschritten werden, macht nicht nur die Ausführenden atemlos. Man darf sich an der rasanten Kunst erfreuen und auch unterhalten und feststellen, dass aus der von Hargitay erfundenen Wortkombination „Bodyparkour“ allmählich eine Kunstform wird, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht.

Der Standard /(hein / DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)

DSCHUNGEL WIEN

Wohnst Du noch oder tanzt Du schon?

26. Jänner 2012 19:30

Ákos Hargitay in “Home Parkour” Tanz ist nicht nur mit menschlichen Körpern möglich. Ákos Hargitay zeigt in Home Parkour, das aktuell für junges Publikum ab 13 Jahren im Dschungel Wien zu sehen ist, wie man auch mit so Unbeseeltem wie Wohnungsinventar tanzen und emotionsgeladene Geschichten erzählen kann. Mit dem Gehabe eines Clowns, in weißem Anzug und Melone, betritt Ákos Hargitay die Bühne, clownesk auch seine Versuche, das Publikum zum Lachen zu bringen. Auf der Bühne selbst findet sich lediglich ein Holzkubus auf Rollen, der ganz offensichtlich eine stilisierte und vor allem winzige Wohnung abgeben soll: Fenster und Tür, ein Tisch, ein Stuhl. In dieser Manege lässt der “Clown” Hargitay die zwei Tänzer Seo-youn Kim und Sung-hyun Kim tanzen oder vielmehr leben. Sie tanzen in und mit dem Mobiliar und erinnern mit Versatzstücken aus Breakdance, Hip-Hop oder Capoeria manchmal an ausgelassen tobende Kinder. Tatsächlich bringt ihr Tanz nicht nur die Anpassung an räumliche Verhältnisse zum Ausdruck. Sie spielen in ihren Bewegungen (oft scheinbar befohlen durch ein Fingerschnippen Hargitays) auch verschiedene Konstellationen zwischen zwei Menschen, zwischen Mann und Frau durch: Abneigung und Gewalt lassen sich ebenso erkennen wie Unterstützung und starke Anziehung. Die Stärke des Stückes ist diese Offenheit: Es kann, wie eine Zirkusvorführung, ob seines akrobatisch- tänzerischen Könnens bestaunt werden. Daneben aber lassen sich darin die verschiedensten Arten entdecken, auf die zwei Menschen miteinander leben können.

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